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Bin ich noch ganz ...Dichte ?

Der Begriff der Dichte wird im öffentlichen Diskurs und in der öffentlichen Meinung oft wenig differenziert gebraucht. Das führt dazu, dass für die betroffenen Menschen «Dichte», «Verdichtung» und "Innenentwicklung" negativ behaftet sind und diese als "Dichtestress" bezeichnen. Auch die Planenden und somit Expertinnen wissen immer noch nicht sicher, welche Dichte genau gemessen wird! Für die Menschen heisst "dichter" auch "enger" und impliziert den Verzicht oder die Nicht-Befriedigung der eigenen individuellen Bedürfnisse.


Diese zumeist individuellen Bedürfnisse die sich jenseits der Sättigungspunkte von uns Menschen bewegen, streben nicht nur nach mehr Mobilphones, Autos, Flugmeilen, Material etc. sondern auch nach qualitativ hochwertigen Wohnraum. Der durchschnittliche Flächenverbrauch einer Person in der Schweiz ist im 2022 auf 46.4 m2 gesunken (2001-2005=50.5m2, BFS), die individuellen Bedürfnisse sind jedoch stetig gestiegen. Die Ausbaustandards und Komforts wurden mit Elektrotechnik und Haustechnik bis an die Schmerzgrenze erweitert. Ausserdem leben immer mehr Menschen alleine (Einzelwohnungen), in dafür viel zu grossen Wohnungen. Diese stark von der Realität entfremdeten individuellen Bedürfnisse scheinen nun die Obergrenze erreicht zu haben.

Es herrscht eine "Wohnungsknappheit" wegen dem gestiegenen individuellen Bedürfnis nach Einzelwohnungen in der Schweiz.


Diese Wohnungsknappheit hat wenig mit den jährlich gestiegenen Mieten zu tun. Die Mieten stiegen gesamtschweizerisch pro Jahr im Durchschnitt zwischen 1.3 bis 1.9%. Die Inflation/Teuerung lag im Durchschnitt seit dem Jahr 2000 bei unter 3% und war in dieser Zeit manchmal sogar negativ (BFS).


Durchschnittlicher Mietpreis (CHF pro Monat ohne NK) in der Schweiz von Mieter- und Genossenschafterwohnungen von 1990 bis 2021:

1990 2000 2021

1-Zimmer-Wohnungen 492 598 817 (+36.6% in 21 Jahren = ca.1.74 % pro Jahr)

2-Zimmer-Wohnungen 641 814 1'131 (+38.9% in 21 Jahren = ca.1.85% pro Jahr)

3-Zimmer-Wohnungen 761 976 1'344 (+37.7% in 21 Jahren = ca.1.78% pro Jahr)

4-Zimmer-Wohnungen 945 1'198 1'601 (+33.6% in 21 Jahren = ca.1.60% pro Jahr)

5-Zimmer-Wohnungen 1'249 1'526 1'956 (+28.2% in 21 Jahren = ca.1.34% pro Jahr)

Die in der Schweiz jährliche Inflation/Teuerung (LIK) lag im Durchschnitt seit 2000 unter 3% pro Jahr (BFS).


Fünf Thesen:

Was verursacht die Wohnungsknappheit in der Schweiz?

  1. Die gestiegenen individuellen Wohnbedürfnisse mit den damit verbundenen Bedürfnis nach Einzelwohnungen (Leerwohnungen 1,15% des Gesamtwohnungsbestands im 2022, BFS).

  2. Der gestiegene Wohlstand und der hohe Lebensstandard (die Schweiz und die Bevölkerung gehört zu den reichsten Ländern der Erde)

  3. Die Zuwanderung liegt seit 2012 bei ca. 1'961'000 Einwandernden (statista). Durchschnittlich also 178'000 Einwandernde pro Jahr. Dazu liegen die Neubauwohnungen bei 45'000 pro Jahr. Das Verhältnis von Neubau zu Zuwandernden ist möglicherweise in einem Missverhältnis.

  4. Das neue Raumplanungsgesetz (RPG Revision 2011) setzt eine Verdichtung gegen innen im heutigen Siedlungsgebiet voraus. Hier wird der zweckmässige und haushälterischen Umgang mit dem Schweizer Boden verlangt. Dieses neue Gesetz ist jedoch nicht so schnell umsetzbar wie angedacht.

  5. Die Bauwirtschaftslobby und die Medien schüren mit ihrer Kommunikation Ängste. Das hat direkten Einfluss auf die Bevölkerung und auf die Wohnungssuchenden. Die Befriedigung der individuellen und teilweise entfremdeten Bedürfnisse scheinen einen Sättigungspunkt erreicht zu haben. Es ist nicht mehr möglich die Bedürfnisse sofort zu befriedigen. Erwartungen, Wünsche und Ziele müssen angepasst werden. Geduld und Verzicht ist angesagt.


DICHTE ALS PRINZIP

Dichte zu entwickeln besteht darin, das Angebot an Wohn- und Arbeitsflächen nicht mehr auf der grünen Wiese zu vergrössern, sondern innerhalb der heutigen Siedlungsgrenzen. Mit mehr Menschen pro Flächeneinheit kann die Einwohner- und Arbeitsplatzdichte erhöht werden. Dadurch lässt sich ein zunehmender Bedarf

nach Wohn- und Arbeitsfläche abdecken, ohne dass die Bebauung weiter in die Landschaft ausgedehnt wird.


Wir haben in der Schweiz für alles Kennzahlen, doch es ist uns noch nicht gelungen eine allgemein gültige Kennzahl/Namen für die Dichte zum positiven Verständnis der Bevölkerung zu entwickeln?!


"Gemäss diesem Ansatz ist Dichte ein kompositer Begriff, der sich aus verschiedenen sozialräumlichen und städtebaulichen Faktoren zusammensetzt. Die bauliche Dichte gibt dabei nur Aufschluss über die gebaute Masse, ausgedrückt in Gebäudekubaturen oder Geschossflächen. Eine hohe bauliche Dichte, beispielsweise eines Hochhausquartiers, führt aber nicht zwangsläufig auch zu sozialer Dichte. Erst die Gegenüberstellung der Aussendichte (z.B. Einwohner pro Hektar) und der Innendichte (z.B. Bewohner resp. Beschäftigte pro m2 Geschossfläche) lässt Aussagen über die Benutzung gebauter Strukturen zu. Die soziale Dichte, resp. die Einwohner- und Nutzerdichte ist ein Indikator für die effektive Belegung einer Fläche resp. des Gebauten. Sie ist stark beeinflusst von der Durchmischung der Funktionen, die sich nicht in Wohnen und Arbeiten erschöpfen sollte, wenn Dichte als eine Qualität des Städtischen erlebt werden soll. Die soziale Dichte, aber auch die Versorgungs- und Erlebnisdichte, die über die Vielfalt an Möglichkeiten der Alltagsgestaltung Auskunft geben sowie die Regelungsdichte, welche die Rahmenbedingungen für die Nutzung und damit für die Benutzung von Räumen und Orten festschreibt, bilden die Grundlage für einen produktiven Austausch zwischen Menschen – die Interaktionsdichte nimmt zu." (NSL, Netzwerk Stadt und Landschaft der ETH)


Die Frage nach der Verdichtung ist stets auch eine soziale Frage und muss sich deshalb immer auf einen konkreten Ort und seinen spezifischen sozialräumlichen Kontext beziehen. Nicht überall sind die Voraussetzungen für eine hohe Dichte und damit auch für eine Verdichtung gleichsam gegeben. Es bedarf einer sorgfältigen und differenzierten Auseinandersetzung mit den spezifischen Gegebenheiten und Potentialen an den unterschiedlichen Orzen. Eine differenzierte Verständigung über die unterschiedlichen Komponenten von Dichte ist dafür eine zentrale Voraussetzung.


These:

Wie kann die "Dichte" für die Bevölkerung zukünftig genannt (und berechnet) werden, damit diese den Begriff "Dichte" als positives Lebensgestaltungselement wahrnehmen und gebrauchen/einsetzen?

  1. Lebensdichte

  2. Nutzerdichte

  3. Erlebnisdichte

  4. Entfaltungsdichte

  5. Ausdehnungsdichte

  6. Dichteraum und Freiraum

  7. Wohnungsdichte und Gartendichte und Parkierungsdichte und Baumdichte

  8. Nicht ganz Dichte.



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